Nirgendwo wird die Wirbelsäule so wenig belastet wie in der Schwerelosigkeit. Dass trotzdem zwei Drittel aller Astronauten über Rückenprobleme klagen, war Ausgangspunkt der Entwicklung eines Haltungsmonitors, der mittels Ultraschalldistanzmessung die Körperhaltung und Bewegung der Wirbelsäule kontinuierlich erfasst. Das System wurde während der deutsch-russischen Mission MIR97 zum ersten Mal im Weltraum eingesetzt.
Für die gemeinsame Entwicklung der Fa. Orthoson und der Deutschen Sporthochschule Köln fand sich anschließend ein Lizenznehmer, der das Ultraschallmessgerät den Anforderungen irdischer Nutzer anpasste. Das leichte, am Körper tragbare, elektronische Gerät besteht aus einer zentralen Steuerungseinheit samt Datenspeicher, Display, Bedienfeld, Datenschnittstellen und Batterien. Vom Gerät laufen Kabel zu acht auf der Haut befestigten Ultraschallsensoren. Erstmalig können nun Langzeitanalysen von Körperhaltung, Bewegung und Atmung simultan unter natürlichen Bedingungen erstellt werden, wobei eine völlige Bewegungsfreiheit des Nutzers gewährleistet ist. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sind besonders wichtig, um typische Bewegungsmuster und Haltungen zu erkennen und langfristigen Schäden vorzubeugen.
Das Anwendungsspektrum der genauen Analyse von Haltung und Bewegungen ist sehr vielfältig und reicht von Sport, Orthopädie und Physiotherapie bis zur ergonomischen Arbeitsplatz- und Sitzgestaltung. Dies machte das Messgerät auch für die Ingenieure im Ford Forschungszentrum Aachen interessant, die es dort für biomechanische Untersuchungen einsetzen. Eine entsprechende Anwendungsmöglichkeit ist die vergleichende Betrachtung der Krümmung der Lendenwirbelsäule (Hohlrücken), die Auskunft gibt über Bequemlichkeit oder Schmerzempfinden. So werden die Forderungen von Medizinern erfüllt, dass Auto und Autositz sich dem Körper des Menschen anpassen müssen, damit es nicht zur erhöhten Belastung der Wirbelsäule und Haltemuskulatur und somit vermeidbaren Rückenschmerzen kommt.