Raumtransportsysteme wie das US amerikanische Space Shuttle, die aus dem
All zur Erde zurückkehren können, sind beim Eintritt in die
Erdatmosphäre aufgrund der Luftreibung extrem hohen Temperaturen
ausgesetzt. Deshalb sind besondere Maßnahmen erforderlich, um das
Transportmittel selbst und damit die Besatzung oder allgemein die zur
Erde zurück zu bringende Nutzlast vor Schaden zur bewahren.
Auch in Deutschland befasste und befasst man sich mit der sog.
Wiedereintrittstechnologie und entwickelt in diesem Zusammenhang seit
Mitte der 80er Jahre besondere Werkstoffe: faserverstärkte Keramiken,
die nicht nur die sehr hohen Temperaturen beim Wiedereintritt aus dem
Weltraum aushalten, sondern sich noch durch weitere wertvolle
Eigenschaften auszeichnen. Sie haben eine geringe Dichte, hohe
Festigkeit und hohe Steifigkeit (auch bei hohen Temperaturen) und
widerstehen in besonderem Maße Verschleiß, Korrosion und Thermoschocks.
Der besondere Vorteil faserverstärkter gegenüber monolithischer Keramik
liegt in der hohen Bruchzähigkeit, die zu einem "quasiduktilen", nicht
spröden Bruchverhalten führt.
Aus faserverstärkter Keramik lassen sich dünnwandige und großflächige
Keramikbauteile in Integralbauweise herstellen. Sie ermöglicht Leichtbau
in vielen Bereichen der Technik wie Chemie, Umwelt, Energie oder
Maschinenbau. Faserverstärkte Keramiken sind keine homogenen,
einheitlich erfassbaren Werkstoffe, sondern vielmehr ein breites
Spektrum verschiedenster chemischer Systeme, die ein breites Feld
ingenieurtechnischer Anforderungen abdecken. Beispiele für einen
erfolgreichen Technologietransfer in neue Anwendungsbereiche gibt es in
der solaren Kraftwerkstechnik oder der Klimaforschung.
Solarkraftwerke
In Spanien gibt es ein neues Gesetz, wonach jede Kilowattstunde solar
erzeugten Stroms mit ca. 15 Cent vergütet wird. Dies ist Motor für die
Entwicklung solarthermischer Kraftwerke, bei der DLR und ein deutsches
Unternehmen aus dem Anlagenbau, Kraftanlagen Anlagentechnik München GmbH
(KAM) kooperieren. Das DLR entwickelte für solarthermische Kraftwerke
mit hohem Wirkungsgrad einen rein keramischen Receiver (PhitRec).
Entscheidend für die Leistungsfähigkeit des Receivers ist der Einsatz
des keramischen Materials Cesic® (kohlefaserverstärktes Siliziumcarbid)
der Fa. ECM Ingenieur-Unternehmen für Energie- und Umwelttechnik, auf
das Mitarbeiter des DLR 1999 während der Hannover Messe und der dortigen
Präsentation von Raumfahrttechnologien aufmerksam wurden. ECM ist ein
Tochterunternehmen der KAM und verfügt über das nötige Know-how, auch
komplexe keramische Bauteile wie den Phitrec-Receiver einfach und
kostengünstig herzustellen.
Abb.: Keramischer
PhitRec-Receiver
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Das Konzept zum PhitRec-Receiver sieht vor, die Anzahl an
unterschiedlichen Bauteilen zu minimieren und auf jegliche aufwendige
Kühlung zu verzichten. Das Resultat ist ein Receiver, der modular aus
gleichen Bauteilen zusammengesetzt wird. Hierdurch kann die gesamte
Entwicklungs- und Optimierungsarbeit auf ein einzelnes Bauteil
konzentriert werden. Insbesondere reduziert sich hierdurch die
Ausfallwahrscheinlichkeit, was ein wichtiges Argument für eine schnelle
Markteinführung ist.
Inzwischen wurden drei Prototypen des Phitrec-Receivers im Sonnenofen
des DLR gestestet. Die weitere Entwicklung wird vom Bundesministerium
für Umwelt gefördert. In diesem Zusammenhang sind Versuche im 400 kW
Maßstab auf der Plataforma de Almeria vorgesehen, und es soll das
Hochskalieren der Receiver auf die später in kommerziellen Anlagen
angestrebte Baugröße von 5 MW Modulen durchgeführt werden. Nach
erfolgreichen Tests ist eine weltweite Vermarktung dieser Art von
solarthermischen Kraftwerken durch KAM vorgesehen.
Spiegel zur Ausrichtung eines Spektrometers
Auf dem russischen Höhenflugzeug Geophysica betreibt das
Forschungszentrums Karlsruhe das Emissions-Fourierspektrometer MIPAS-STR
(Michelson Intererometer für passive atmosphärische Sondierung -
STRatosphärenflugzeug). Aus den damit gemessenen Infrarot-Spektren
werden Konzentrationen von diversen Spurengasen in verschiedenen
Atmosphärenschichten bestimmt. Um die Spektrometersichtlinie während
der Messung auf den gewünschten erdfesten Winkel zu stabilisieren, wird
in dem gekühltem MIPAS-STR Messgerät ein pointing Spiegel aus
Cesic®-Keramik von ECM eingesetzt.
Der Kontakt zu ECM wurde Anfang 2001 vermittelt nachdem sich Mitarbeiter
des Forschungszentrums Karlsruhe auf der Suche nach einem den hohen
Anforderungen gerecht werdenden Material an die MST Aerospace gewandt
hatten. ECM konnte einen Spiegel anbieten, der bzgl. Gewichtsreduktion
und Montage optimiert ist. Durch den Einsatz von Cesic® ergibt sich eine
exzellente mechanische und thermische Stabilität der optischen
Oberfläche, was in der guten Wärmeleitfähigkeit, der geringen
thermischen Ausdehnung und dem großen E-Modul des Materials begründet
ist.
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