Reibung führt zu unerwünschter Erwärmung von Bauteilen, erhöhtem Energiebedarf
sowie zu Verschleiß bis hin zum Versagen. Auch im Weltraum beeinträchtigt dies
die Funktionstauglichkeit und -sicherheit von beweglichen Bauteilen, für die
herkömmliche, im Vakuum verdampfende Schmierstoffe nicht geeignet sind.
Deswegen wurde die reibungsreduzierende Beschichtung DICRONITE® DL-5
entwickelt. Dabei handelt es sich um eine universell einsetzbare, fest mit der
Oberfläche verbundene Gleitbeschichtung mit bisher unerreicht niedrigem
Reibungskoeffizienten von µ = 0,03 weniger als halb so groß wie der von
Graphit (µ = 0,073). Beschichtet wurden z. B. Titanschrauben für Satelliten,
Kugellager und Führungen in Raumfahrzeugen oder Planetengewindespindeln für den
Bau der Internationalen Raumstation.
Der mit dem DICRONITE®Verfahren erzeugte Trockenschmierfilm ist gleichmäßig
etwa 0,5 µm dick und kann auf allen metallischen Untergründen aufgebracht
werden. Er verhindert den direkten Kontakt metallischer Oberflächen und wirkt
wie ein Ölfilm. Beim Beschichtungsprozess wird die vorbehandelte Oberfläche mit
einem speziell modifizierten Wolfram-Disulfid beschossen, das damit in die
Gitterstruktur implantiert wird. Dabei kommt es zu molekularen Bindungen, aus
denen die hohe Haftung in der Oberfläche resultiert. Die Beschichtung wird Teil
der Bauteiloberfläche und kann nur zusammen mit Teilen des Trägermaterials
wieder entfernt werden.
Nicht nur für Raumfahrtanwendungen sind die
reibungsarme Kraftübertragung, die Kontaminationsfreiheit und der weite
Einsatztemperaturbereich der Trockenschmierschicht von -188°C bis +538°C
interessant. Auch die besten Teams in der Formel 1 und einige der Verfolger
setzen auf den geringen Reibungskoeffizienten von DICRONITE® DL-5, um
Höchstleistungsaggregate vor zu großem Verschleiß zu schützen. Die
Kunststoffverarbeitung profitiert in Form von reduzierten Zykluszeiten und
verbesserter Qualität. In feinwerktechnischen Anwendungen können Antriebskräfte
minimiert und selbst bei reibkritischen Materialien wie Edelstahl, Titan oder
Aluminium Kaltverschweißung und Fressen verhindert werden. Bewegte Teile in der
Vakuumtechnik können leichter laufen, ohne dass eine zusätzliche Kontamination
stattfindet.
Konkrete Beispiele für einen erfolgreichen Technologietransfer
hinsichtlich einzelner beschichteter Komponenten sind Lager eines
WindkanalModellträgers, Schrauben eines im Vakuum eingesetzten Monochromators
oder Antriebsritzel für Fördersysteme in der Automobilfertigung.
Lagerschmierung im Windkanal
Die in Köln ansässige ETW European Transonic Windtunnel GmbH hat einen
beweglichen Modellträger für Windkanalversuche entwickelt. Zwei dieser
Stahlkonstruktionen sind verfügbar, wodurch parallel zum Test eines
Flugzeugmodells ein weiteres nebst Test-Instrumentierung schon präpariert
werden kann. Zylinderrollenlager mit 30 und 40 cm Außendurchmesser ermöglichen
den Transport des samt Modell knapp 20 Tonnen schweren Modellträgers zwischen
den verschiedenen Sektionen innerhalb des Testgebäudes. Diese sehr teuren
Lager mussten bisher etwa jährlich ausgebaut und nach Japan geschickt werden,
wo sie mit Trockenschmierstoff beschichtet wurden, da für Temperaturen im
Windkanal von bis herab zu -150°C eine Fettschmierung nicht mehr in Frage
kommt. Aufwand und Kosten der regelmäßigen Neubeschichtung konnten durch den
Einsatz des DICRONITE®-Verfahrens beträchtlich reduziert werden. Zusätzlich
wird erwartet, dass die Wartungsintervalle der Lager verlängert werden können.
Schrauben und Spindeln im Synchrotron
Da die Trockenschmierschicht Ultra-Hoch-Vakuum-tauglich ist, können damit
beschichtete mechanische Teile wie Gewindespindeln oder Schrauben auch im
Berliner Elektronenspeicherring für Synchrotronstrahlung BESSY eingesetzt
werden. Die Schrauben und Spindeln finden z. B. Verwendung in einem
Monochromator der Firma FMB Feinwerk- und Meßtechnik GmbH. Dabei handelt es
sich um ein optisches Gerät zum Herausfiltern einzelner für das jeweilige
Experiment gewünschter Wellenlängen aus der die gesamte Bandbreite vom Infrarot
bis zur harten Röntgenstrahlung umfassenden Synchrotronstrahlung. Die
DICRONITE®-Beschichtung der Komponenten ist deshalb wichtig, weil es
andernfalls bei Reibung oder Druckkontakt im Ultra-Hoch-Vakuum zu
Kaltverschweißungen und Oberflächenschäden durch sog. Fressen kommen würde.
Außerdem können die Schrauben inzwischen auch mehrfach verwendet werden, was
mit der bisherigen Silberbeschichtung nicht möglich war.
Neue Maßstäbe bei der Planung und im Bau von Sondermaschinen für die
Automobilindustrie zu setzen, darum geht es der AuE Automationsund
Einstelltechnik Kassel GmbH, deren traditionelles Geschäftsfeld die Verkettung
ist. Verkettungstechnik wird benötigt, um in der Fertigung einen geregelten
Materialfluss zu den Bearbeitungsmaschinen durch Zuordnung von speziellen
Bereitstellungssystemen wie Förderbänder, Förderfahrzeuge oder Linearportale
sicherzustellen.
In einer Bearbeitungslinie für Kurbelwellen werden die Werkstücke aus einem
zentralen Regal geholt, zu den Bearbeitungsmaschinen gebracht, dort wieder
entnommen und den weiteren Fertigungsschritten zugeführt. Das Herzstück der
Bearbeitungslinie ist das Linearportal, das für den Transport der Werkstücke
zuständig ist. Teil des Linearportals wiederum ist der Laufwagen mit Hubsäulen
und Greifern. Die Werkstücke werden von einem Greifer unterhalb einer Hubsäule
aufgenommen und zum nächsten Ablageort transportiert. Der Laufwagen kann
horizontal in zwei Richtungen und die Hubsäule von oben nach unten entlang von
Zahnstangen verfahren werden. Die Zahnräder (Ritzel) aller Antriebe sind mit
DICRONITE® beschichtet. Dies ersetzt eine Fettschmierung, was die Wartung
vereinfacht, die Betriebskosten reduziert und nicht zuletzt auch der Umwelt
bzw. dem Arbeitsumfeld zugute kommt.