Raumfahrtsysteme wie Raumstationen, Satelliten und Sonden sind während
des Transportes zu ihrem Einsatzort und während der Verrichtung ihres
oft jahrelangen Dienstes extremen Belastungen mechanischer, thermischer
und strahlungsbedingter Natur ausgesetzt.
Um den Betrieb der Systeme und die präzise, reibungslose Funktion der
Komponenten trotzdem sicherzustellen, sind bereits während der
Entwicklungszeit zahlreiche und umfangreiche Tests, Prüfungen und
Simulationen erforderlich, denn bis auf wenige, teils recht spektakuläre
Ausnahmen, ist es nicht möglich, Reparatur- und Wartungsarbeiten vor Ort
durchzuführen.
Präzision, Zuverlässigkeit, Ausfallsicherheit und raue
Arbeitsbedingungen waren auch wesentliche Schlagworte einer Anfrage der
Firma Herrenknecht AG, Produzent maschineller Tunnelvortriebsmaschinen,
die im September 1998 vor folgendem Hintergrund an MST Aerospace
gerichtet wurde:
Um die Sicherheit von Vortrieben noch weiter zu erhöhen, hat die
Herrenknecht AG ein seismisches Vorauserkundungsverfahren
weiterentwickelt. "Sonic Softground Probing" (SSP) heißt das Verfahren,
das zu einem virtuellen Vorbohren führt und den Schildfahrer in
gebührendem Abstand vor bedeutenden geologischen Veränderungen warnt.
Jahrmillionen Entwicklungsgeschichte der Erde können nämlich etliche
Überraschungen wie etwa Findlinge, geologische Schichtgrenzen und
Injektionskörper in der Bohrspur einer Vortriebsmaschine
bereithalten.
An den Schneidrädern werden hierzu speziell angepasste Schallsender und
Mikrofone untergebracht. Die Schallsender senden sekündlich Schallwellen
ins Erdreich, die Mikrofone empfangen reflektierende Signale, die
simultan aufgezeichnet werden. Ein EDV-Gigant im Nachläufer wertet
gemessene wie statistische Daten aus und visualisiert bedeutende
geologische Veränderungen bis zu 40 m vor dem Schneidrad.
Die Vorinformation über den Baugrund hilft, ggf. den Vortrieb zu
stoppen, Hindernisse zu entfernen und damit Beschädigungen der
Tunnelbohrmaschine und die damit verbundenen Ausfallzeiten, Kosten und
Gefahren für das Personal zu verhindern.
Abb. links: Trude, mit
14,2 m Durchmesser größter Mixschild der Welt, erreicht nach 2.561 m
Untergrundfahrt in Hamburg punktgenau ihr Ziel.
Abb. rechts: Die sehende Vortriebsmaschine - Vorausblick bis zu 40 m ins
Erdreich sind möglich.
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Um eine bessere Qualität der Auswertung zu erzielen, wurde ein neuer
Schallsender für den Einsatz bei diesen seismischen Messungen gesucht.
Der bisherige Sender, im Prinzip ein kommerzieller Vibrator (Shaker),
wie er zu Vibrationstests in der Industrie eingesetzt wird, erfüllte zu
diesem Zeitpunkt die an ihn gestellten Anforderungen nur bedingt: Der
Sender soll einen frequenzcodierten Sweep aussenden, der zum einen einen
gleichmäßigen Frequenzgang von 1.000 Hz bis 5.000 Hz ohne Phasensprünge
oder Überhöhungen aufweist und zum anderen möglichst hohe Energien
abstrahlt (angestrebt waren 3.000 W Verstärkerleistung). Zudem muss die
Komponente unter den rauen Arbeitsbedingungen des Tunnelbaus präzise,
zuverlässig und ausfallsicher arbeiten.
Nach der Vermittlung durch MST Aerospace fand im März 1999 das erste
Treffen zwischen den Fachleuten der Herrenknecht AG und der Berliner
Firma Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH, einer Ausgründung des
Forschungszentrum Berlin-Adlershof des Deutschen Zentrums für Luft- und
Raumfahrt (DLR) e.V., statt.
Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH hat auf der Basis ihrer
Raumfahrtprojekte für Satelliten, Sonden, Raumstationen und
interstellare Missionen eine umfangreiche Expertise im Bereich der
Feinwerktechnik und des Sondermaschinenbaus entwickelt. Aus einer Hand
werden durchgängige Systemlösungen mittels modernster
Fertigungsverfahren und ausgeklügelten Testverfahren erarbeitet, wobei
sich die Gewährleistung höchster Zuverlässigkeit und Präzision in den
heute die Hälfte des Umsatz ausmachenden industriellen Aufträgen
außerhalb der Raumfahrt widerspiegelt.
Das speziell im Bereich der Strukturmechanik erworbene Know-how, die
reichhaltigen Erfahrungen mit Schwingungsanregern auf dem Gebiet der
Umweltsimulation der Entwicklungen und der positive Abschluss einer
Machbarkeitsstudie für die Herrenknecht AG waren im Oktober 2001
ausschlaggebend für die Beauftragung von Astro- und Feinwerktechnik
Adlershof GmbH mit der Entwicklung eines Senderprototypen der ab dem
Sommer 2002 seine Leistungsfähigkeit demonstrieren soll.
Spätestens dann, so prognostizieren die Techniker der Herrenknecht AG,
kann wohl der alte Bergmannsspruch "Vor der Hacke ist es duster"
umgeschrieben werden.
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